Das Bautagebuch in Kurzform!

Ausgangspunkt war eine Untersuchung des Glockenstuhls im Frühjahr 2022. Dabei wurden erhebliche Schäden festgestellt. Daraus entwickelte sich das Projekt „Neue Glocken in altem Klang“: Der historische hölzerne Glockenstuhl sollte grundlegend saniert, zwei Glocken neu in Bronze gegossen und eine historische Bronzeglocke weiterverwendet werden. Gleichzeitig sollte der historische Klangcharakter des Geläuts wiederhergestellt werden.
Der Name „Neue Glocken in altem Klang“ trifft den Charakter des Projekts ziemlich genau: Es ging nicht darum, etwas Historisches einfach durch etwas Modernes zu ersetzen. Vielmehr sollte die Tradition der Johanniskirche mit heutigen technischen und finanziellen Möglichkeiten wiederhergestellt und weitergeführt werden.

Das Projekt entwickelte sich anschließend zu einem großen Gemeinschaftsvorhaben von Kirchgemeinde, Kirchbauverein, Stadtbevölkerung, Unternehmen, Stiftungen und zahlreichen privaten Spendern. Es wurde ein eigener Glockenausschuss gegründet, der sich insgesamt 15-mal traf. Parallel liefen Bauplanung, Denkmalschutz, Statik, Glockengestaltung, Finanzierung und die Vorbereitung des 350-jährigen Jubiläums der Wiedereinweihung der Kirche.
Gerade die vielen scheinbar kleinen Beiträge – Osterbriefe verteilen, Girlanden wickeln, Weihnachtsmarkt, Zeitzeugen suchen, Modelle bauen, Glocken durch die Dörfer fahren – zeigen, dass aus einem ursprünglich technischen Sanierungsproblem nach und nach ein Bürger- und Gemeindeprojekt wurde.

Im Herbst 2023 verstummte die Johanniskirche: Am 31. Oktober 2023 erklang das Nachkriegsgeläut zum letzten Mal. Am 10. November wurden die Glocken mit einem Kran aus dem Turm gehoben. Danach erfolgte die umfangreiche Sanierung des Glockenstuhls.

Am 22. März 2024 wurden bei Rincker in Sinn/Hessen zwei neue Bronzeglocken gegossen. Ende Mai wurden sie nach Reichenbach gebracht, auf einer Glockenfahrt durch die umliegenden Dörfer präsentiert und am 1. Juni 2024 feierlich empfangen und geweiht. Zum Jubiläumsfest der Kirche erklang am 23. Juni 2024 das neue dreistimmige Geläut erstmals öffentlich.


2022 – Das Projekt entsteht

12.05.2022 – Startschuss Glockenprojekt
Eine turnusmäßige Untersuchung durch den Glockensachverständigen Helmut Kairies macht gravierende Probleme am Glockenstuhl sichtbar. Der Gemeindekirchenrat entscheidet, tätig zu werden. Das ist der eigentliche Ursprung des Projektes.

12.07.2022 – 1. Planungstreffen
Nach dem offiziellen GKR-Beschluss beginnt die konkrete Projektplanung. Kosten, Baukonzept, Glocken und mögliche Finanzierung werden diskutiert.

08.09.2022 – 2. Planungstreffen
Das Projekt erhält seinen Namen: „Neue Glocken in altem Klang – Sanierung des St. Johannis-Geläuts“. Glockensachverständiger Helmut Kairies begleitet die fachliche Planung.

05.11.2022 – Der Flyer ist da
Ein Informations- und Spendenflyer informiert über Geschichte, Zustand des Geläuts und das geplante Vorhaben.

06.11.2022 – Kirchweihfest mit Spendenaktion
Der Kirchbauverein unterstützt das Projekt mit 1.000 Euro. Das Glockenprojekt wird öffentlich sichtbar.

14.11.2022 – 3. Planungstreffen
Eine 3D-Aufnahme und statische Untersuchung zeigen detailliert die Schäden des Glockenstuhls und den notwendigen Sanierungsumfang.

03./04.12.2022 – Weihnachtsmarkt
Das Glockenprojekt wird auf dem Reichenbacher Weihnachtsmarkt vorgestellt und mit einer Spendenaktion verbunden.

19.12.2022 – 4. Planungstreffen
Erste konkrete Angebote für Glockenbau, Ausbau und Wiedereinbau liegen vor. Damit wird die Kostenplanung belastbarer.


2023 – Planung, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit

23.01.2023 – 5. Planungstreffen
Ein Finanzcheck kommt zu dem Ergebnis, dass das Projekt grundsätzlich finanzierbar ist. Informationstafeln werden vorbereitet.

28.02.2023 – 6. Planungstreffen
Die denkmalschutzrechtliche Genehmigung liegt vor. Außerdem wird ein Modell des Glockenstuhls mit drei Bronzeglocken vorbereitet.

28.03.2023 – 7. Planungstreffen
Mehrere Förderanträge sind gestellt. Der zeitliche Ablauf konkretisiert sich.

02.04.2023 – Oster-Glocken-Brief
Mit einem groß angelegten Spendenaufruf wird die Bevölkerung gebeten, das Projekt finanziell zu unterstützen. Rund 1.500 Briefe werden verteilt.

24.04.2023 – 8. Planungstreffen
Bilanz der Osterkampagne, weitere Öffentlichkeitsarbeit und Information der örtlichen Vereine.

12.05.2023 – 3D-Modell
Das komplette Glockentragwerk wird dreidimensional dargestellt. Die Animation vermittelt anschaulich Konstruktion, Glockenanordnung und Sanierungsaufgabe.

22.05.2023 – 9. Planungstreffen
Spendensammlung und Fördermittelanträge laufen intensiv; erste Förderentscheidungen zeichnen sich positiv ab.

20.06.2023 – 10. Planungstreffen
Die erste Baubesprechung mit den beteiligten Firmen findet statt. Die technische Umsetzung wird damit konkret.

21.08.2023 – 11. Planungstreffen
Die sogenannte Glockenzier wird festgelegt – also Inschriften, Symbole und Schmuckelemente der neuen Glocken.

23.10.2023 – 12. Planungstreffen
Der Turm wird für die Arbeiten vorbereitet; notwendige bauliche Eingriffe und die Glockenabnahme werden organisiert.

31.10.2023 – Reformationsfest mit letztem Läuten
Nach dem Regionalgottesdienst wird das Nachkriegsgeläut zum letzten Mal von Hand geläutet.

10.11.2023 – Abnahme des Nachkriegsgeläuts
Alle drei Glocken werden mit einem großen Kran aus dem Kirchturm gehoben. Dabei wird auch an die Glockenabnahme während des Zweiten Weltkriegs 1942 erinnert.

24.12.2023 – Heiligabend ohne Glocken
Mehr als 300 Menschen feiern die Christvesper in der stillen Kirche. Das fehlende Geläut wird dadurch besonders wahrnehmbar; zum Abschluss wird das Bethlehemlicht verteilt.


2024 – Das eigentliche Bau- und Glockenjahr

22.01.2024 – 13. Planungstreffen
Von ungefähr 165.000 Euro Projektkosten sind bereits rund 130.000 Euro finanziert bzw. zugesagt. Noch etwa 35.000 Euro fehlen.

24.01.2024 – Sparkassenstiftungen fördern das Projekt
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien übergeben eine bedeutende Förderzusage.

04.03.2024 – 14. Planungstreffen
Die Sanierung des Glockenstuhls hat begonnen. Dabei zeigen sich umfangreiche Faulschäden und konstruktive Mängel, die beseitigt werden müssen.

22.03.2024 – Glockenguss in Sinn
Einer der Höhepunkte des Projekts: Bei der traditionsreichen Glocken- und Kunstgießerei Rincker werden die beiden neuen Reichenbacher Glocken gegossen.

06.05.2024 – 15. und letztes Planungstreffen
Nach fast zwei Jahren beendet der Glockenausschuss seine reguläre Planungsarbeit. Finanzierung und Bauarbeiten haben sich positiv entwickelt; nun geht es in die Schlussphase.

25.05.2024 – Girlandenwickeln
16 Gemeindeglieder und ein Gast fertigen rund 30 Meter Girlande zum Schmuck der Glocken und Fahrzeuge. Ein schönes Beispiel dafür, wie stark die Gemeinde praktisch beteiligt ist.

31.05.2024 – Glockenfahrt über die Dörfer
Pfarrer Wiesener und Oliver Weiser holen die Glocken aus Hessen. Anschließend werden sie in einer festlichen Fahrt durch die Region präsentiert.

01.06.2024 – Empfang und Glockenweihe
Um 9 Uhr werden die neuen Glocken auf dem Kirchplatz von zahlreichen Reichenbachern und Gästen empfangen. Die Glocke der katholischen St.-Anna-Gemeinde begrüßt ihre evangelischen „Schwestern“. Anschließend erfolgt die feierliche Glockenweihe.

23.06.2024 – Erstes Läuten und Fest
Höhepunkt des gesamten Projekts. Gleichzeitig wird an die Geschichte der Kirche erinnert: Nach dem Stadtbrand von 1670 war sie innerhalb von vier Jahren wiederaufgebaut und 1674 neu eingeweiht worden. 350 Jahre später wird das Jubiläum mit dem neuen Geläut gefeiert.

Zusammenfassung

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